CL – Vorschau | Gruppe F: Napoli, Feyenoord, ManCity, Shakhtar

Die neue Champions League-Saison steht vor der Tür: Am 12. September startet der Wettbewerb um die Krone des europäischen Vereinsfußballs. Wir haben einen Blick auf die Teams geworfen.

Im vierten Teil befassen wir uns mit der Gruppe F: SSC Neapel, Feyenoord Rotterdam, Manchester City, Shakhtar Donetsk

Hier geht’s zur Gruppe A – FC Basel, Benfica Lissabon, ZSKA Moskau, Manchester United

Hier geht’s zur Gruppe B – Paris Saint-Germain, FC Bayern München, RSC Anderlecht, Celtic Glasgow

Hier geht´s zur Gruppe C – Atletico Madrid, FC Chelsea, Quarabag Agdam, AS Roma

Hier geht´s zur Gruppe D – Sporting, FC Barcelona, Juventus, Olympiakos

Hier geht´s zur Gruppe E: FC Sevilla, NK Maribor, Spartak Moskau, FC Liverpool

 

 

SSC Neapel

(2016/17 | Europa: Achtelfinale Champions League – Liga: Platz 3)

Sarris Truppe gibt Gas

Der SSC Neapel hat in der vergangenen Saison mit Platz drei in der Liga das Mindestziel erreicht. In dieser Saison will man im Idealfall ein Wort im Kampf um die Meisterschaft mitreden. Trainer Maurizio Sarri passt offenbar ideal zu den Süditalienern und lässt einen sehr attraktiven, technisch äußerst hochwertigen Fußball spielen, den die Mannschaft mittlerweile verinnerlicht hat. In der vergangenen Saison verlor man im Achtelfinale gegen Real Madrid zweimal mit 1:3, hatte aber Chancen, die Spanier vor größere Probleme zu stellen. Es fehlte die Kaltschnäuzigkeit, das wurde auch im Ligabetrieb mitunter deutlich, der große Druck auf Juventus blieb aus. Die Spielidee wurde weiterentwickelt, einige Anpassungen im Kader getätigt und die Schlüsselspieler sind mittlerweile in einem hervorragenden Alter. Neapel hat viel vor!

(Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Signifikante Transfers

Zugänge: Nikola Maksimovic (25, FC Turin, 20 Millionen Euro), Marko Rog (21, Dinamo Zagreb, 13 Millionen Euro), Adam Ounas (20, Bordeaux, 10 Millionen Euro), Roberto Inglese (25, Chievo, 10 Millionen Euro), Mario Rui (26, Roma, Leihe, 3,75 Millionen Euro), Gennaro De Simone (eigene Jugend), Camilo Zuniga (Leihende)

Abgänge: Duvan Zapata (26, Sampdoria, Leihe, 3 Millionen Euro), Ivan Strinic (30, Sampdoria, 2 Millionen Euro), Eddy Gnahore (23, US Palermo, 1,5 Millionen Euro), Raffaele Maiello (26, Frosinone, 1,2 Millionen Euro), Daniele Celiento (22, Viterbese, ablösefrei), Jonathan de Guzman (29, Eintracht Frankfurt, ablösefrei), Nicolao Dumitru (25, Alcorcon, ablösefrei), Igor Lasicki (22, Wisla Plock, Leihe), Leonardo Pavoletti (28, Cagliari, Leihe), Roberto Inglese (25, Chievo, Leihe), Jacopo Deze (25, Parma Calcio, Leihe), Alfredo Bifulco (20, Vercelli, Leihe), Alberto Grassi (22, SPAL, Leihe), Roberto Insigne (23, Parma Calcio, Leihe), Mario Prezioso (21, Carpi, Leihe), Gennaro Tutino (20, Cosenza, Leihe), Sebastiano Luperto (20, Empoli, Leihe)

 

Einfach schön anzusehen

Es wäre falsch, wenn man den SSC Neapel zurzeit an seinen drei Offensivstars Mertens, Insigne und Callejon oder aber an Mittelfeldass Marek Hamsik messen würde. Die ganze Mannschaft wurde akribisch zusammengestellt, verfügt auf jeder Position über Spieler, die gut zum Stil des Trainers passen. Bereits der Spielaufbau von Neapel ist sehr schön anzusehen, die Mannschaft findet immer wieder den richtigen Anspielpartner, weiß genau, wann sich Lücken ergeben können und wann man nur um des Ballbesitzes und der Kontrolle wegen die Ballsicherheit auf ein Maximum hebt. Die Gruppe mit Manchester City, Feyenoord und Donetsk ist nicht einfach, aber Neapel hat sich mittlerweile einen Status erarbeitet und ist gefestigt genug, um diese Gruppe zu überstehen. Vielmehr noch, ein Angriff auf die Millionentruppe von Manchester City unter Pep Guardiola ist keinesfalls ausgeschlossen! Die hitzige Atmosphäre im heimischen San Paolo, wo rund 60.000 frenetische Fans für ein großes Spektakel sorgen, hinterlässt zudem einen Eindruck. Wichtig wird sein, dass Neapel auch auswärts auf Kurs bleibt und dort ebenfalls seine Punkte einfährt. Mit einem Ausscheiden im Achtelfinale könnte man sich in dieser Saison jedenfalls nicht anfreunden.

 

Player to Watch – Jorginho

Dass Jorginho mit nunmehr 25 Jahren noch nicht mit den größten Klubs in Europa in Verbindung gebracht wurde, ist durchaus überraschend. Der in Brasilien geborene Italiener kam im Januar 2014 von Hellas Verona zum SSC Neapel, kostete damals nur 9,5 Millionen Euro und seine Entwicklung geht seither stetig bergauf. Jorginho ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil des absolut homogenen Mittelfeldes beim SSC Neapel. Er ist ballsicher, schaltet sich in die Offensive ein, geht weite Wege, läuft wenn nötig auch noch defensive Lücken zu, erkennt Gefahrenherde und beseitigt diese. Er ist also ein Allrounder, wie ihn sich jeder Trainer wünscht, dazu ist er zuverlässig und spielt konstant seinen Fußball. Jorginho kann sowohl defensivere als auch offensivere Aufgaben übernehmen, harmoniert sowohl mit Hamsik und Allan, aber auch mit Diawara und Zielinski. Sein Vertrag beim SSC Neapel läuft noch bis 2020. Der Verein tut gut daran, diesen schnell langfristig zu verlängern. In dieser Saison hat er die Chance, sich in der Königsklasse schon in der Gruppenphase gegen eine Reihe von Topteams und Topspielern zu zeigen.

 

90PLUS-Prognose

Der SSC Neapel ist eine der spannendsten Mannschaften in Europa. Die Kombination aus Trainer Sarri, jungen Spielern wie Ounas, Hysaj, Milik oder Rog und erfahrenen Akteuren wie Hamsik, Mertens oder auch Koulibaly und Albiol ist vielversprechend. Die Ergänzungen im Kader sind sinnvoll und beschränken sich in der Tat auf die Positionen, auf denen man neue Impulse durchaus vertragen konnte. Neapel ist in der Lage mit Manchester City ein offenes Duell um den Gruppensieg zu führen. Gleichermaßen wird man bei den Italienern aber auch klug genug sein, Donezk und vor allem Feyenoord Rotterdam nicht zu unterschätzen. Die Auftritte gegen die „Citizens“ sollten aber dennoch ausschlaggebend dafür sein, ob man auf Platz eins oder zwei landet. Danach wird es vor allem auf den jeweiligen Gegner ankommen, verstecken muss man sich vor niemandem.

Manuel Behlert

 

Feyenoord Rotterdam

(2016/2017 | Europa: Europa League Gruppenphase / Liga: Meister)

Rückkehrer

Nachdem Feyenoord Rotterdam mit einem Zähler Abstand die Eredivisie erstmals seit 1999 für sich entscheiden konnte, kehrt “De club aan de Maas” nach 15 Jahren auf die größte europäische Spielwiese zurück! Getrübt wird die Rückkehr vom Karriereende von Dirk Kuyt (37). Sportlich (18 Scorerpunkte 2016/2017), aber vor allem in seiner Funktion als Führungsspieler, ist der Abschied des 105-fachen Nationalspielers für die Mannschaft ein herber Verlust! Neben Terence Kongolo (23; Monaco) und Rick Karsdorp (22; AS Rom), die den Lockrufen europäischer Top-Klubs folgten und zweifelsohne Lücken hinterlassen, hat Feyenoord keine schwerwiegenden Abgänge zu verzeichnen. Unter der Leitung von Trainer Giovanni van Bronckhorst hofft Feyenoord den positiven Trend der letzten Jahre nun auch in Europa fortzusetzen!

(Photo KAY INT VEEN/AFP/Getty Images)

 

Signifikante Transfers

Zugänge: Steven Berghuis (25; Watford; 6,5 Millionen Euro), Ridgeciano Haps (24; Alkmaar; 6 Millionen Euro), Jeremiah St. Juste (20; Heerenveen; 5 Millionen Euro), Sofyan Amrabat (20; Utrecht; 4 Millionen Euro), Sam Larsson (24; Heerenveen; 4 Millionen Euro), Jean-Paul Boëtius (23; Basel; 1,5 Millionen Euro), Kevin Diks (20; Florenz; Leihe),

Abgänge: Terence Kongolo (23; Monaco; 15 Millionen Euro), Rick Karsdorp (22; AS Rom; 14 Millionen Euro), Eljero Elia (30; Medipol Basaksehir; 1 Millionen Euro), Lucas Woudenberg (23; Heerenveen; 700.000 Euro), Warner Hahn (25; Heerenveen; 500.000 Euro), Pär Hansson (31; Helsingborg; ablösefrei), Wessel Dammers (22; Fortuna Sittard; ablösefrei), Jari Schuurman (20; NEC Nijmegen; Leihe), Marko Vejinović (27; Alkmaar; Leihe),  Dirk Kuyt (36; Karriereende)

 

Intaktes Kollektiv

Wenn eine Mannschaft die Erwartungen übertrifft und zudem durch einen Titel ins Rampenlicht gerät, dann ist es nicht unüblich, dass die Leistungsträger des Vereins wegbrechen. Feyenoord wurde in diesem Sommer von diesem Schicksal weitestgehend verschont. Das Herzstück der abgelaufenen Meistersaison, die perfekt ausbalancierte Mittelfeldzentrale, bestehend aus Sechser Karim El Ahmadi, Tonny Vilhena und Spielmacher Jens Toornstra blieb intakt und auch Top-Stürmer Nicolai Jörgensen (21 Saisontore und 14 Assists) konnte gehalten werden. Die abgewanderten Stamm-Außenverteidiger wurden durch die talentierten Ridgeciano Haps und Kevin Diks adäquat ersetzt. In Sofyan Amrabat, Jeremiah St Juste und Sam Larsson wurden zudem weitere entwicklungsfähige, aber vor allem schon jetzt brauchbare Alternativen für das stark belastete Stammpersonal verpflichtet. Die hohe Belastung durch die Champions League wird die Breite des Kaders nämlich zweifelsohne auf die Probe stellen.

 

Player to Watch: Jens Toornstra

Obwohl Nicolai Jörgensen die Schlagzeilen erntet, ist Jens Toornstra wohl der wichtigste Spieler von Feyenoord Rotterdam. Der 28-jährige Niederländer stellte mit seinen 14 Saisontoren und 10 Vorlagen in der letzten Saison eindrucksvoll unter Beweis, dass er der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft ist. Fast jeder Angriff des Meisters entstammt seinen klugen Zuspielen oder seinen dynamischen Vorstößen. Auch wenn Toornstra in der Königsklasse noch keine Spielminute absolviert hat, ruhen die Hoffnungen der Fans, aber vor allem die von Vollstrecker Nicolai Jörgensen, auf den zündenden Ideen des vielseitigen offensiven Mittelfeldspielers.

 

90PLUS Prognose: Realistisch bleiben

Es bleibt abzuwarten wie Feyenoord mit der gestiegenen Erwartungshaltung und dem daraus resultierenden Druck umgeht. Die Favoriten der Gruppe F, Real Madrid und der SSC Neapel, werden kaum zu knacken sein. Sollte die überaus potente Offensive von Verletzungen verschont bleiben und auch in Europa auf vollen Touren laufen, verfügen die Niederländer wohl um genügend Klasse, um sich im Rennen um Platz drei gegen Shakhtar Donetsk durchsetzen zu können und die Europa League Qualifikation zu sichern. Für den Fall, dass die Saison schlechter läuft als erwartet, könnte man aufgrund des dünnen Kaders allerdings schon früh den Fokus auf die Liga richten. 

Chris McCarthy

 

 

Manchester City

(2016/2017 | Europa: Champions League Achtelfinale / Liga: 3.)

Pep bastelt am perfekten Kader

Pep Guardiola musste in seinem ersten Jahr bei Manchester City schnell feststellen, dass die Premier League, insbesondere mit einigen Problemzonen im Kader, eine andere Hausnummer ist. Trotz Investitionen im Bereich von ca. 200 Millionen Euro beendete der Spanier erstmals in seiner Trainer-Karriere die Saison ohne Titel! Die eklatanten Baustellen im Tor und in der Defensive verfolgten Manchester City über die ganze Saison. Die Aussetzer in der Liga (1:3 gegen Chelsea, 2:4 gegen Leicester, 0:4 gegen Everton), aber auch die sechs Gegentore beim Achtelfinal-Aus in der Königsklasse gegen die AS Monaco belegten ausdrucksvoll, dass es der Mannschaft an defensiver Stabilität und Durchschlagskraft fehlt, um in der Liga oder in Europa ein ernsthafter Titelkandidat zu sein. In seiner zweiten Saison soll nun der nächste Schritt zu einem europäischen Schwergewicht unternommen werden…

(Photo by Michael Steele/Getty Images)

 

Signifikante Transfers

Zugänge: Benjamin Mendy (23; AS Monaco; 57,5 Millionen Euro), Kyle Walker (27; Tottenham; 51 Millionen Euro), Bernardo Silva (22; AS Monaco; 50 Millionen Euro), Ederson (23; Benfica; 40 Millionen Euro), Danilo (26; Real Madrid; 30 Millionen Euro), Eliaquim Mangala (26; Valencia; Leih-Ende).

Abgänge: Kelechi Iheanacho (20; Leicester City; 27,7 Millionen Euro), Enes Ünal (20; Villareal; 14 Millionen Euro), Wilfried Bony (28; Swansea; 13 Millionen Euro), Nolito (30; Sevilla; 9 Millionen Euro), Fernando (30; Galatasaray; 5 Millionen Euro), Aleksandar Kolarov (31; AS Rom; 5 Millionen Euro), Joe Hart (30; West Ham; Leihe), Samir Nasri (30; Antalyaspor; 3,5 Millionen Euro), Gael Clichy (31; Medipol Basaksehir;ablösefrei), Pablo Zabaleta (32; West Ham; ablösefrei), Jesus Navas (31; Sevilla; ablösefrei), Willy Caballero (35; Chelsea; ablösefrei), Jason Denayer (22; Galatasaray; , Bacary Sagna (34; vereinslos; ablösefrei).

 

Perfektion in Jahr zwei?

In seinem zweiten Sommer im Etihad Stadium verschwendete Guardiola keine Zeit und adressierte durch die Verpflichtungen von Torwart Ederson und den Außenverteidigern Kyle Walker, Danilo und Benjamin Mendy die zuvor erwähnten Baustellen. Zwar ist sein Wunschkader aufgrund der fehlgeschlagenen Bemühungen um Alexis Sanchez und einem weiteren Innenverteidiger nicht perfekt, auf dem Papier jedoch nah dran! Ob diese Vorstellungen auch der Realität entsprechen wird sich zeigen, denn insbesondere die Akquisen von Kyle Walker und Danilo waren nicht unumstritten. Darüber hinaus sollten die Innenverteidiger Vincent Kompany und John Stones den Ansprüchen zwar deutlich genügen, allerdings gibt es noch einige Fragezeichen hinsichtlich der körperlichen Ausdauer des Belgiers und der Konstanz des Engländers.

In der Offensive strotzt City dagegen nur so vor herausragenden Optionen. Während der überragende David Silva im Mittelfeld die Fäden zieht, füttern Kevin De Bruyne, Bernado Silva, Raheem Sterling oder auch Leroy Sané ihren Weltklasse-Stürmer Sergio Agüero, beziehungsweise seinen nicht schlechter veranlagten, ernsthaften Konkurrenten Gabriel Jesus, mit verwertbaren Vorlagen.

 

Player to Watch: Gabriel Jesus

Bereits im Sommer 2016 verpflichtet Manchester City Palmeiras São Paulo Sturmtalent Gabriel Jesus für 32 Millionen Euro. Der Olympiasieger sollte allerdings erst die Saison in seiner Heimat zu Ende spielen und im Januar 2017 offiziell zum Kader stoßen. Und wie er das tat! In seinen ersten 208 Premier League Minuten erzielte der Brasilianer direkt drei Tore und bereitete ein weiteres vor. Ein derartiger Einstand ist für ein 19-jähriges Fliegengewicht im so körperbetonten englischen Fußballoberhaus selten. Erst recht, wenn man in Betracht zieht, dass Gabriel Jesus erstmals fernab der Heimat und komplett ohne Anpassungszeit keinen geringeren als Weltklasse-Stürmer Sergio Agüero auf die Ersatzbank beförderte. Erst ein Mittelfußbruch konnte den Nationalspieler nach seinem Traum-Einstand außer Gefecht setzen, sodass er nicht zu seinem Champions League Debüt kam. Die Premier League Saison beendete der wiedergenesene Gabriel Jesus übrigens mit 4 Toren und 3 Assists in den letzten fünf Saisonspielen. Als nächstes hat es das hoch veranlagte Offensivtalent wohl auf die Königsklasse abgesehen.

 

90PLUS Prognose: Europa den Stempel aufsetzen

Die Gruppenphase sollte für die Skyblues kein großes Problem darstellen. Sollten im Spiel nach vorne wie erhofft alle Zahnräder ineinander greifen und die Hintermannschaft das abliefern, was die hohen Ablösesummen suggerieren, verfügt Pep Guardiola in Jahr zwei wohl über das notwendige Spielermaterial, damit auch der blaue Teil Manchester Europa endlich seinen Stempel aufsetzen kann. Alles andere als ein Halbfinal-Einzug wäre vermutlich eine Enttäuschung.  

Chris McCarthy

 

 

Shakhtar Donetsk

(2016/17 | Europa: Sechzehntelfinale Europa League – Liga: Meister)

Fehlende Entwicklung

Den Ukrainern aus Donezk fehlt es, neben Dynamo Kiew, in der ukrainischen Liga an einem ernsthaften Konkurrenten. Die Mannschaft, die nach dem Abgang von Trainer Lucescu auch international nicht mehr groß in Erscheinung trat und unter Paulo Fonseca etwas auf der Stelle tritt, hat national immer noch die Favoritenrolle inne, muss aber international aufpassen, dass man nicht den Anschluss verliert. Und das kann durchaus passieren. Viele Neuzugänge gab es nicht, der Kader ist nicht ideal besetzt und die große individuelle Klasse vergangener Tage, beispielsweise durch Willian, Douglas Costa oder Luiz Adriano, ist nicht mehr vorhanden. In der vergangenen Saison scheiterte Schachtjor nach 18 Punkten in der Gruppenphase bereits in der ersten K.O.-Runde der Europa League an Celta Vigo, was sehr enttäuschend war.

(Photo MIGUEL RIOPA/AFP/Getty Images)

 

Signifikante Transfers

Zugänge: Davit Khocholava (24, Chornomorets, ablösefrei), Vyacheslav Tankovsky, Mykola Matvienko (beide 21, eigene Reserve), Ivan Petryak, Andriy Totovytsky, Oleg Danchenko (23, 24, 22, Leihende)

Abgänge: Oleksandr Kucher (34, Kayserispor, ablösefrei), Anton Kanibolotsky (29, Qarabag, ablösefrei), Eduard Sobol (22, Slavia, Leihe), Ruslan Malinovsky (24, KRC Genk), Andriy Boryachuk (21, Mariupol, Leihe), Oleksandr Karavaev (25, Zorya Luhansk), Sergiy Bolbad (24, Mariupol, Leihe), Mykola Matvienko (21, Vorskla, Leihe), Sergiy Gryn (23, Rivne, Leihe), Vyacheslav Tankovsky (22, Mariupol, Leihe), Vasyl Kobin (32, vereinslos), Oleg Danchenko (22, Anzhi, Leihe), Pylyp Budkivsky (25, Kortrijk, Leihe)

 

Keine neuen Impulse

Der Kader ist im Prinzip der gleiche wie aus dem Vorjahr. Ergänzungsspieler wurden geholt, Ergänzungsspieler gingen. Was bleibt, ist eine Mannschaft, die noch auf einigen Positionen einen gewissen Charme versprüht und mit Bernard, Marlos, Taison, Srna oder Stepanenko immer noch bekannte Namen im Kader hat. Die Tatsache, dass Donezk in der eigenen Liga eher zu selten gefordert wird und der Qualitätsunterschied zur Königsklasse einfach riesig ist, könnte das größte Problem von Schachtjor sein. Eine Gruppe mit Manchester City, dem SSC Neapel und dem offensivstarken niederländischen Meister Feyenoord ist kein Spaziergang, selbst um Platz 3 wird man wohl erbittert kämpfen müssen. Die Innenverteidigung ist eher unbeweglich, die offensiven Akzente von den Außenverteidigern fehlen mitunter, ein klassischer Knipser ist auch nicht mehr im Aufgebot. Donezk hätte viel zu tun gehabt, hat aber nur wenig verändert. Natürlich kann und wird dabei auch die Lage im Land eine Rolle spielen.

 

Player to Watch – Viktor Kovalenko

Bei all den eher negativen Erwähnungen zu Schachtjor muss man Viktor Kovalenko definitiv positiv hervorheben. Der 1,82m große Mittelfeldspieler gehört zu den größten Talenten im ukrainischen Fußball und ist mit seinen 21 Jahren schon ein maßgeblicher Bestandteil des Mittelfelds von Donezk. Sein Vertrag läuft gegenwärtig noch bis 2020, Kovalenko ist Stammspieler und stammt aus der eigenen Jugend. In der laufenden Saison kam Kovalenko in allen sieben Ligaspielen zum Einsatz, Scorerpunkte konnte er bisher aber noch nicht generieren. Vielleicht wäre es für Kovalenko an der Zeit, einen neuen Schritt zu unternehmen und in den kommenden Transferperioden einen Wechsel zu forcieren. Der 12-fache Nationalspieler der Ukraine dürfte hinsichtlich seines Entwicklungspotentials in der heimischen Liga jedenfalls schnell an seine Grenzen stoßen. Ob er sich in der Königsklasse in dieser Saison großartig beweisen kann, bleibt abzuwarten. Die Gruppe ist sehr, sehr schwer und Kovalenko kann das Spiel von Schachtjor noch nicht alleine tragen.

 

90PLUS-Prognose

Vor einigen Jahren wäre Schachtjor Donezk, unabhängig davon, in welche Gruppe der Verein gelost worden wäre, immer ein Kandidat für das Achtelfinale gewesen. Doch in dieser Spielzeit benötigt man schon viel Fantasie, damit man das für realistisch hält. Manchester City und der SSC Neapel sind definitiv stärker als Donezk, auch Feyenoord dürfte zumindest das Niveau der Ukrainer haben. Selbst die früher gefürchtete individuelle Klasse ist nicht mehr vorhanden. Meiner Meinung nach muss Donezk alles daran setzen, um es irgendwie auf Platz dire zu schaffen. Dafür muss man Feyenoord schlagen, bestenfalls vier Zähler gegen die Niederländer einfahren. Gelingt das nicht, muss man schon einen der „Großen“ schlagen und für eine Überraschung sorgen, um international zu überwintern.

Manuel Behlert

 

 

 

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