Offensivneuzugang aus Salzburg: Herthas Lazaro im Porträt

Der Transfer zog sich über einen längeren Zeitraum hin, ist nun aber perfekt! Valentino Lazaro wechselt von RB Salzburg zur Hertha, zunächst auf Leihbasis mit einer verknüpften Kaufverpflichtung. Die Ablöse, die im Vertrag vereinbart wurde, soll 2018 dann rund vier Millionen Euro betragen. Derzeit laboriert Lazaro noch an einer Außenbandverletzung, in den kommenden Wochen will der 21-jährige dann voll angreifen.

Neben Jonathan Klinsmann, Karim Rekik, Mathew Leckie und Davie Selke ist Lazaro die fünfte externe Neuverpflichtung der Berliner, die ihren Kader für die Europa League vor allem auch in der Breite in Schuss bringen wollen. Das Ziel in der kommenden Saison ist es in mehreren Wettbewerben gute Leistungen abzurufen und gleichermaßen ordentliche Resultate einzufahren.

Die bisherige Karriere

Der in Graz geborene Lazaro begann seine Karriere in der Jugend beim Grazer AK. Seit 2002 spielte er dort und ging seine ersten Schritte als Fußballer. Bis 2011 spielte er für die Grazer, ehe er zum FC Red Bull Salzburg wechselte, wo er gleich in der Jugend beeindruckte. Lazaro stand im letzten Spiel der Saison 2011/12 erstmals im Profikader der Österreicher, unterschrieb im Sommer 2012 dann seinen ersten Profivertrag und debütierte noch im gleichen Jahr beim 5:0-Sieg von Salzburg gegen die Admira, mit nur 16 Jahren und 224 Tagen. Das war ein Fingerzeig, in Salzburg hielt man viel von Lazaro und baute schon früh auf ihn. In seiner ersten Saison spielte er aber nur fünfmal in der österreichischen Bundesliga, wurde langsam an die erste Mannschaft herangeführt.

(Photo by Srdjan Stevanovic/Getty Images)

In der Saison 2013/14 spielte Lazaro 13-mal für die Salzburger Profis, ein Mittelfußbruch setzte ihn zwischenzeitlich außer Gefecht. Mit 2 Toren und einer Vorlage konnte er sich erstmals zeigen, seine Entwicklungskurve zeigte außerdem weiterhin nach oben. In der darauffolgendenden Saison gehörte er erstmals langfristig zum Profikader bei RB Salzburg. 25 Ligaspiele, 4 Tore und 6 Vorlagen waren eine gute Quote für Lazaro, der häufig auch als schneller, sprintstarker Joker für das Konterspiel benötigt wurde. 2015/16 verpasste er erneute einige Spiele verletzungsbedingt, konnte nur 22-mal für RB auflaufen, erzielte 2 Tore, bereitete 2 vor und stand vor allem etwas im Schatten der anderen Offensivspieler. In der abgelaufenen Saison konnte er nahezu komplett durchziehen, absolvierte 46 Pflichtspiele, netzte siebenmal selbst ein, bereitete zehn Treffer für seine Kollegen vor und kam auf über 3500 Pflichtspielminuten.

Verletzungssorgen, schnell in Form

Die Verletzungshistorie des Valentino Lazaro hat natürlich Auswirkungen auf seine Entwicklung gehabt. Es ist durchaus anzunehmen, dass der Spieler ohne die regelmäßigen Zwangspausen schon konstanter, weiter wäre und gleichermaßen eine größere Erfahrung in den internationalen Wettbewerben mitbringen würde. Seit Februar 2013 hat Lazaro 65 Pflichtspiele verletzungsbedingt verpasst, teilweise musste er zusätzlich aufgrund von kleinen Blessuren oder einer angepassten Belastungssteuerung pausieren. Dass er trotzdem, gerade in der abgelaufenen Saison, so gut funktionierte und immer besser wurde, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass er nach den letzten Pausen schnell wieder in Topform war, der Mannschaft sofort nach der Rückkehr helfen konnte.

Das wird auch jetzt sehr wichtig sein, damit er der Hertha zumindest nach der Länderspielpause zur Verfügung steht. In Salzburg kam Lazaro nach seinen Pausen in ein Team zurück, das er kannte, bei denen er die Automatismen bereits verinnerlicht hatte. In Berlin muss er schnell lernen und erkennen, was sein neuer Trainer Pal Dardai von ihm verlangt. Deswegen sollte man in der Hauptstadt zumindest in den ersten Wochen noch keine Wunderdinge vom 21-jährigen erwarten. Mit dem nötigen Rhyhtmus, der sich aufgrund der drei Wettbewerbe, in denen die Hertha aktiv ist, sehr schnell einstellen dürfte und den daraus resultierenden Erfolgserlebnissen sollte die Leistungsfähigkeit des Österreichers sukzessive anwachsen.

Dynamik und Geschwindigkeit

Lazaro ist in der Offensive flexibel einsetzbar, kann auf beiden Außenbahnen spielen und ist sogar im Zentrum, beispielsweise als hängende Spitze, eine Option. Pal Dardai sieht in ihm eine ideale Ergänzung für die Offensive, sein Kader soll und muss in der Breite verstärkt werden, denn Dardai lässt einen laufintensiven Fußball mit hohem Aufwand spielen und benötigt alle verfügbaren Kräfte. Lazaro bringt viele Qualitäten mit, die für die Hertha von Bedeutung sind. In der Offensive soll er durch seine Geschwindigkeit die vorhandenen Räume nutzen, die Gegenspieler permanent beschäftigen. Sein Antritt ist gut, seine Endgeschwindigkeit aber ebenfalls beeindruckend, zudem versucht er immer wieder auch in der Defensive Akzente zu setzen und zeigt sich sehr einsatzfreudig. Sein Passspiel ist gut, er erkennt sich bietende Gelegenheiten und Räume, zeigt sich im Kombinationsspiel immer wieder aktiv und anspielbar.

Photo by JOHANN GRODER/AFP/Getty Images)

Er versucht enorm viel auf dem Platz, möchte dabei aber nicht nur selbst glänzen, sondern kann auch seine Kollegen oftmals gut in Szene setzen. Sein Abschluss aus der Distanz ist solide, aber noch ausbaufähig, dafür kann er den Ball mit seiner Dynamik auch einmal über einen weiten Weg nach vorne treiben, ist im Konterspiel sehr gut aufgehoben. Im Kopfballspiel hat er seine Schwierigkeiten, die aber aufzuholen sind, wenn er am Timing und der nötigen Sprungkraft arbeitet. Insgesamt ist er ein Spieler, der sich auch einmal gegen mehrere Gegner behaupten kann und in Unterzahlsituationen Gefahr entstehen lassen kann. Er ist aber nicht ausschließlich im letzten Drittel brauchbar, sondern kann mit seinen häufig klugen und durchdachten Pässen Chancen initiieren, kann also in gewissen Phasen des Spiels auch aus der Tiefe agieren.

Perspektiven bei der Hertha

Die Perspektive Lazaros wird einerseits vom Spieler selbst, andererseits von seiner weiteren Verletzungshistorie abhängen. Dardai wird viel von ihm fordern, ihm aber auch die nötige Eingewöhnungszeit gewähren. Nach dieser Zeit müssen sich aber gute Leistungen einstellen, damit der Österreicher zu einem wichtigen Teil des Teams wird. Auf der Außenbahn ist Konkurrenz vorhanden, hier gibt es mit Leckie, Haraguchi, Kalou, auch einem Weiser oder Esswein viele Kandidaten für die Startplätze. Valentin Stocker steht ebenfalls noch im Aufgebot der Berliner, der Schweizer könnte aber noch einen Wechsel anstreben. Zudem kommt beim Hauptstadtklub vermehrt Potenzial aus der eigenen Jugend oder der zweiten Mannschaft nach.

Klar ist, dass der Schritt zur Hertha in eine stärkere Liga und zu einem Verein, in dem mehr Konkurrenzkampf herrscht, ein guter war. Lazaro weiß, dass man in Berlin trotz seiner derzeitigen Verletzung auf ihn baut, ihn längerfristig beobachtet hat und kann hier in Ruhe den nächsten Schritt machen. Sollte seine Entwicklung optimal verlaufen, ist es nicht ausgeschlossen, dass in den kommenden Jahren ein Wechsel zu einem Topklub ansteht, aber auch wenn er langfristig in Berlin bleibt, war dieser Wechsel der richtige für ihn. Es bleibt zu hoffen, dass der Offensivspieler von Verletzungen verschont bleibt und sich wirklich auf seine eigenen Leistungen konzentrieren kann.

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